Der Iraker Georg Trakl

1914 entstanden zwei der wohl besten Gedichte deutscher Sprache: „Grodek“ und „Klage“. Es handelt sich um Kriegsgedichte, die von den Kämpfen im Osten inspiriert sind.

Ihr Autor, der in Salzburg aufgewachsene Araber Georg Trakl, musste nach ihrer Niederschrift rasch untertauchen, da man ihn aus politischen Gründen psychiatrieren wollte. 1933 kehrte er dann aus Bagdad wieder nach Deutschland zurück. Er wurde ein Freund von Adolf Hitler und verschwand 1945 abermals nach dem Süden, um 1960 in Steinsdorf in Thüringen aufzutauchen, wo er in Hitlers Nachbarwohnung im Haus Dorfstraße 34 Quartier bezog.

Trakl sprach „gebrochenes Deutsch“ und Hitler schlesischen Dialekt.

Die beiden teilten ihre Leidenschaft für Deutschland genauso wie ihre Vorliebe für günstigen Rotwein, der aus einem Krug der Firma Villeroy und Boch ausgeschenkt wurde. Trakl, der ehemalige Apotheker, versorgte seinen Freund und cholerischen Nachbarn zusätzlich mit Beruhigungstabletten und man veranstaltete – rauchend wie die Schlote – stille Symposien der Liebe zur Thüringer Natur und des heimelig-dumpfen Rauschs. Und man beschäftigte sich mit dem Verfassen esoterischer Texte für Quacksalber im Westen. Am Sonntag wurde schmunzelnd die Kirche aufgesucht.

Was ich Ihnen hier erzähle, ist wahr. Gut getarnt überstanden die zwei Muslime die 60er- und 70er-Jahre, machten sich ein wenig über Honecker lustig und nahmen eine distanzierte Haltung zum Prager Frühling ein. Beide lebten von Sozialhilfe; 1979 verstarb Trakl dann – er nannte sich „Al Manuhi“ – friedlich und wurde rasch nach Bagdad überführt.

(Bildmaterial Brenner-Archiv)

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