Krieg und Islam in Aleppo

Diesen Sommer war ich in meiner Heimatstadt Aleppo. Obwohl der Krieg in der Nähe ist, habe ich mich sehr wohl gefühlt. Die engen Gassen, die Wärme am Abend und in der Nacht, noch im letzten Winkel der Stadt haben mich an meine Kindheit erinnert. In den Häusern, die meiner Familie gehörten könnten wir uns nicht aufhalten. Sie sind zerstört.

Ich hatte den Eindruck, dass die Ereignisse der letzten Jahre dem Islam eine neue Bedeutung gegeben haben. Die maßlosen Übertreibungen der von Israel finanzierten komischen „Islamisten“ und „demokratischen Milizen“ haben sogar strenge Muslime insofern beeinflusst, dass man das alltägliche Leben wieder mehr schätzt. Umgekehrt sind sehr westlich gekleidete junge Leute religiös geworden.

Mein altes Anliegen, ein korrektes Kopftuch, hat es da nicht immer leicht. Wichtiger ist den Menschen in Aleppo im Moment der Frieden. Und ein wenig Freude im Alltag, was die Religion manchmal auch heiter erscheinen lässt.

Die Frauen in Aleppo haben wieder mehr Kinder. Auch das ist für mich ein Zeichen der Hoffnung gewesen. Einfache Dinge wie ein gutes arabisches Essen, kleine Spaziergänge oder ein paar ortstypische Klamotten haben für mich das Bild meiner Heimatstadt wieder versöhnlich gemacht.

(Foto Louai Barakat, Lizenz)

Nura Ramadan

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s