Bushido und ich

Als ich noch in Berlin lebte hatte ich einen eigenwilligen Nachbarn. Gut versteckt hinter den Mauern einer alten Villa, fünfzig Meter von mir entfernt, hauste der Rapper Bushido. Wir sahen uns kaum; und wenn doch kam es zu Auseinandersetzungen über die Bewertung von Lebensgewohnheiten, zu kurzen angeberischen Diskussionen über die Schönheit unserer Freundinnen oder zu Bemerkungen über die Probleme des Alltags.

Als Bushido versuchte, ein Haus in Kleinmachnow zu renovieren konnte ich es mir nicht verkneifen ihn nach dem Fortschritt der Arbeiten zu befragen. Ich als damaliger „christlicher“ Ehekrüppel musste mir zunächst Sticheleien über meine spießigen Einkaufstouren zu einem dortigen Supermarkt (mit dem VW-Golf wurden Vorratseinkäufe zu Real und in diesem Zuge Ehestreitereien absolviert, was ihn zum Lachen brachte) anhören, bevor er mir sein Leid über die Handwerker klagte.

Ein wenig sauer war er, als ich einem mit ihm verfeindeten Rapper in den Arsch kroch um an meine Julia heranzukommen. Heimlich hörte ich mir seinen gemeinsam mit Karel Gott aufgenommenen Song an. Mit wütenden Auftritten im ORF wurden mir von Bushido nur leicht verklausuliert die Leviten gelesen wenn unsere gegen die Israelis gerichteten Konspirationen stockten.

Manchmal beobachtete er mich, wenn ich mit Schaftstiefeln und im Trachtenjanker an seinem Haus vorbeiging. Den Ärger über israelische Spitzel, die sich extra Wohnungen anmieteten um uns auszuspionieren teilten wir. Einmal setzte sich ein so genannter Abnehm-Coach (er nannte sich Bewegungsspezialist) neben uns fest. Wir wiesen ihm nach dass er in Wirklichkeit davon lebte, alte israelische Weiber intim zu betreuen.

Als ich damals Nura kennenlernte forderte mich Bushido trotzdem zum Abnehmen auf. Über meine schwerfälligen Fahrradtouren schmunzelte er.

Wer von uns beiden die gefährlicheren Freunde hatte, darüber wurden wir uns nie einig.

Genauso wie ich hasste er das Shopping mit der Partnerin im Einkaufszentrum „Das Schloss“. Stöhnend begegneten wir uns manchmal kurz vor Weihnachten, in der Tiefgarage oder bei Butlers. Zu solchen Gelegenheiten riet er mir meine damalige Frau zu verlassen weil ihm aufgefallen war dass ich sie nicht mochte und die Kinder darunter litten.

Xavier Naidoo wurde von uns dann noch in der Schlossstraße (auf Höhe des Forums, leugnen zwecklos) beim Unterwäschekauf erwischt (den er schnell, die Dessous verbergend, als Besorgung für seine Mutter ausgab). An der Bushaltestelle unterhielten wir uns jammernd über betrügerische Steuerberater. Bushido ging ins Fitnessstudio, ich zum Weinhändler.

Hausdurchsuchungen und kritische Momente mit der Polizei erlitten wir beide, und nicht nur einmal. Wenn es krachte fieberten wir beim anderen mit. Jetzt bin ich schon lange weg aus dem Süden von Berlin, habe Bushido länger nicht gesehen. Ich wünsche ihm und seiner wunderschönen Frau eine gute Zeit.

(Bild Bushido Instagram)

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