So etwas würde eine Muslima ihrer Tochter nicht schenken

Ich werde heute etwas versuchen, was im deutschsprachigen Raum noch kaum versucht worden ist. Gemeinsam mit Nura und Julia, unter Berücksichtigung ihrer Ansichten und Argumente, werde ich ein makabres Kinderbuch besprechen.

„Petronella Apfelmus, Schnattergans und Hexenhaus“ soll junge Mädchen zum Schweigen über wertlose, bezahlte und für die Mädchen im Rückblick peinliche erotische Beziehungen „erziehen“ helfen.

Nura als konsequente Muslima und Julia als studierte vegane Pädagogin, beide mögen das Buch nicht. Ich auch nicht; mir erscheint es als grausame und kinderfeindliche Geheimdienstfibel, die junge Mädchen auf die Verbitterung über gescheiterte Beziehungen mit miesen männlichen Nutten vorbereiten soll.

Das Buch erzählt, wie die Illustration auf dem Einband, ja sogar der Titel schon zeigt von der Versuchung, über einen davongelaufenen Mann schlecht zu sprechen, der zuvor den Eindruck erzeugt hat mit einem hübschen Mädchen beglückt worden zu sein und doch nur selber bezahlt worden ist.

Da liegt es für die moderne junge Frau nahe, in ihrer „Enttäuschung“ schlecht über den Verflossenen zu sprechen, und das soll nicht sein weil es gefährlich ist, so der Tenor des Buches.

Julia hat mich zunächst auf die klassische Bildersprache dieses Kinderbuchs hingewiesen. Es ist die Geheimsprache der israelischen Pädagogik: Die zwei am Einband sollen sich hüten, über die vergangene Beziehung zu sprechen und sie verschweigen. Die schwarze Eule sagt, dass das Mädchen seine frühere Unwissenheit über die „Mission“ des Liebhabers nicht erwähnen darf.

Fünf gelbe Blumen können bedeuten, dass das Mädchen damit rechnen muss, Teil einer Wirtschaftsgemeinschaft gewesen zu sein, die von Morden durch radioaktives Material gelebt hat. So etwas zu benennen wäre ohnedies tödlich. Die Nacktschnecke könnte uns sagen, dass der Kerl sich vielleicht plump verraten hat und man darüber hinwegsehen soll.

Nura weist mich darauf hin, dass solche Beziehungen im Islam als ehrlos gelten und verboten sind. Statt sich mit einem Gigolo, der vielleicht ein Mörder ist abzugeben soll sich eine junge Muslima ehrlich verlieben und auf eine tragfähige Beziehung warten, deren Grundlagen nicht verschwiegen werden müssen.

Über Geld darf und muss im Islam geredet werden wo es notwendig ist, auch wenn es um Beziehungen geht. „Liebe“, die auf Unwissenheit, Übertölpelung und billige erotische Erfolge baut und anschließend peinlich ist soll es im Islam nicht geben. Männer, die ihren Körper verkaufen und zusätzlich Schweinereien mit Gift begehen sollen für eine junge Muslima nicht attraktiv sein.

Ich denke das auch. Pech in der Liebe kann man immer haben. Wenn solche Situationen aber systematisch herbeigeführt werden und man die Pädagogik zu ihrer herzlosen Bewältigung bemühen muss geht es um Ekel und Verbrechen, nicht um echte Erziehung.

Mitarbeit Nura Ramadan und Julia Präauer

(Petronella Apfelmus, Band 6: Schnattergans und Hexenhaus. Autorin Sabine Städing, Illustrationen Sabine Büchner. 2. Auflage 2018, Boje Verlag)

2 Kommentare zu „So etwas würde eine Muslima ihrer Tochter nicht schenken

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